Nach langem komme ich endlich wieder einmal dazu einen
Blogeintrag zu schreiben.
Da der Alltag des Arbeitens hat leider dazu geführt, dass
die letzten Tage nicht besonders abwechslungsreich waren, habe ich mir gestern
gedacht, dass es höchste Zeit sei endlich einmal aus diesem Kreislauf
auszubrechen und habe mir den Samstag für eine ausführliche Stadttour Zeit
genommen. Da mir schon einige Orte empfohlen wurden, ich jedoch noch nicht die
Zeit hatte diese zu besuchen, habe ich mir vor meinem Aufbruch kurz Gedanken
darüber gemacht, welche Runde wohl am sinnvollsten wäre und habe mich dafür
entschieden zu allererst zu einem bestimmten Tempel zu fahren. Nach einigen
Schwierigkeiten mit der U-Bahn – ich fuhr zum ersten Mal irrtümlich in die
falsche Richtung – kam ich dort an und verzehrte nach der langen Fahrt ein
Stück Pizza. Nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten fand ich auch dort, wie
fast überall, ein riesiges Einkaufzentrum, welches ich nach eingehender
Inspektion hinter mir ließ, um mir ein wenig die Umgebung anzuschauen. Es
bestand leider nicht die Möglichkeit den Tempel von innen zu besichtigen und so
setzte ich meine Reise fort und fuhr zu dem Hauptziel des Ausflugs: dem „alten“
Stadtzentrum Shanghais. Nach längerer Erkundung des Geländes fand ich
schlussendlich auch ein traditionell chinesisches Tor, welches über der Straße
errichtet war und das „alte“ chinesische Viertel ankündigte. Ich glaube zwar
nicht, dass es wirklich alt ist, da sich alle Bauten in bestem Zustand befanden
und im Gegenteil eher ganz neu aussahen. In Anbetracht der Tatsache, dass
selbst Hochhäuser und Gebäude, welche in den letzten 10 Jahren entstanden sind,
teilweise schon alt und halb verfallen ihr Dasein fristen, kann ich nur zu dem
Schluss kommen, dass die Chinesen um die Wichtigkeit der Restaurierungen in
diesem Viertel wissen, da ich mir sicher bin, dass ansonsten nicht so viele Touristen
dort wären. Kaum war man ein wenig in dieses Viertel hineingegangen, bot sich
einem eine bizarre Mischung traditionell chinesischer Geschäfte und Gastronomiebetrieben,
Ramschgeschäften und renommierten westlichen Betrieben welche sich dort zu
Recht hohe Profite zu erhoffen schienen. Beispielsweise konnte ich in dem MC
Donalds, welcher sich im ersten Untergeschoss befand, nicht mehr sagen, ob ich
wirklich in Shanghai oder doch in Wien sei. Auch die Straßenverkäufer mit ihren
„billigen“ ganz sicher „originalen“ Waren durften hier nicht fehlen und es war
nicht immer leicht sie abzuschütteln. Auch hier fand ich ein großes
internationales Kaufhaus mit H&M, Zara, Bershka und vielen anderen
Geschäften. Schade ist nur, dass diese Geschäfte hier nicht billiger sind als
bei uns.
 |
| Der Tempel an der Nanjing Road |
 |
| Zugangstor zum "alten" Viertel |
 |
| Eine Einkaufsstraße |
 |
| Neues altes Gebäude |
 |
| International goes traditional |
 |
| Hauptsache Gold :D |
 |
| Internationales Einkaufszentrum |
Ich traute dem ganzen Tanz jedoch nicht so ganz und wagte
mich daher eine Straße weiter nach rechts, abseits der für Touristen aufbereiteten
Wege. Hier fand ich, was ich mir ursprünglich erwartet hatte öfter zu sehen in
China: verfallene alte Bauten, schmutzige Straßen, Geschäfte mit chinesischem
Allerlei welche sichtlich Schwierigkeiten hatten Kunden anzulocken. Mir wurde
hier bewusst wie oft Armut und Reichtum doch so nah beieinander liegen können
und man dennoch davor die Augen verschließt.
 |
| Abseits der Straße |
Ich kehrte schlussendlich zurück auf die mit Menschen
überfüllten Wege der Altstadt und entdeckte durch Zufall nach einiger Zeit die
berühmte Zick-Zack-Brücke, welche sich, von Menschen überfüllt, über einen
künstlich angelegten Teich erstreckte und zu einem Teehaus in der Mitte führte.
Mein Weg führte mich weiter in einem Bogen dem Fluss zu, doch bis ich dort
ankam sollte schon die Dämmerung übers Land gekommen sein. Ich kam durch einen
kleineren Park wo ich kurz Rast machte, bevor ich mich auf den Bund von
Shanghai begab. Das schwindende Licht des Tages bewirkte ein wunderschönes
Lichtermeer zu beiden Seiten des Flusses, welches ich sogleich für einige Fotos
ausnutzte. Trotz der vorgeschrittenen Stunde tummelten sich dort unzählige
Menschen, welche die Kulisse genauso genossen wie ich. Lediglich die Polizei
schien nicht besonders glücklich mit meinen Versuchen aus einer erhöhten
Position von einem Steinvorsprung aus zu fotografieren und pfiff mich zurück –
das Bild war dennoch das Risiko wert.
 |
| Zick-Zack-Brücke |
 |
| Aussicht vom Park |
 |
| Der Bund von Shanghai |
Ich ging durch die mir nun schon bekannte Nanjing Road
zurück zur U-Bahn welche mich nach diesem sehr interessanten Tag sicher wieder
nach Hause brachte. Nachdem ich hier nun schon einiges gesehen habe, kann ich
nur feststellen, dass ich mit jeder weiteren Besichtigung mehr davon überzeugt
bin, dass ich in diesen 2 Monaten definitiv keinen Überblick über diese Stadt
gewinnen werde, geschweige denn sie wirklich kennen werde. Ich denke jedoch,
dass genau dies Shanghai einen gewissen Reiz gibt, welcher es für mich immer
wieder interessant machen wird erneut hierher zu kommen.
 |
| Hauptsache Internet |
 |
| Abendliche Lichter |
 |
| Abendliche Skyline |
 |
| Mao Zedong in Stein gehauen |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen