Freitag, 10. August 2012

Eine „stürmische“ erste Arbeitswoche – Österreichische Expertise in China


Die erste Woche meiner Arbeitstätigkeit in Shanghai ist nun vorbei, und es ist Zeit eine kurze Bilanz darüber zu ziehen:
Ich bin am Montag erstmals in das STC (Shanghai Technical Center) der AVL Graz gefahren, was sich schwierig gestaltete, da ich, wie bereits am Anfang dieses Blogs erwähnt, lediglich die Adresse meiner Arbeitsstelle kannte, aber sonst über keinerlei Informationen verfügte. Ich bemühte mich daher auf Google eine Route herauszufinden und nahm schlussendlich ein Taxi. Bereits im Herannahen sah ich die österreichische Fahne über dem Fabrikkomplex wehen und es gab mir ein gewisses Gefühl von Heimatsverbundenheit in der Ferne. Etwas erheiterte mich jedoch die Inschrift, welche in eine Metallplatte graviert vor dem Eingang zu lesen stand: „Grundsteinlegung in Anwesenheit seiner Exzellenz des Bundespräsidenten von Österreich“. Ich hatte bis dahin nicht gewusst, dass dies der offizielle Titel unseres Staatsoberhaupts ist, doch ich werde es mir merken, falls ich ihm jemals über den Weg laufen sollte.:D
Am ersten Tag war ich, wie in Graz üblich, um 8:00 zu Arbeitsbeginn in der Firma, musste jedoch bald entdecken, dass in China bei AVL erst ab 9:00 gearbeitet wird, um mehr Überschneidung mit den Arbeitszeiten der Zentrale in Graz zu erreichen. Doch nach einer Stunde Wartezeit wurde ich schlussendlich von Dr. Klaus Denkmayr, dem Generaldirektor begrüßt und er führte mich an meinen Arbeitsplatz in der Entwicklungsabteilung.
Ich habe eine Kantine in der Firma, worüber ich mich sehr freue, insbesondere seitdem ich herausgefunden habe, dass im Umkreis von 2km nichts Nahrhaftes zu finden ist. Trotz des sehr niedrigen Preises von umgerechnet 65 Cent ist das Kantinenessen jedes Mal ein ausgiebiges und durchaus schmackhaftes original chinesisches Menü. Ich habe so außerdem die Möglichkeit die heimische Küche kennen zu lernen, ohne in ein Restaurant gehen zu müssen, etwas zu bestellen und nicht zu wissen was ich bekomme (ich nenne diese Vorgehensweise auch Chinese Roulette^^).
Generell gefällt mir die Arbeit sehr gut, jedoch habe ich mich in der ersten Woche noch ein wenig zurechtfinden müssen, weshalb ich noch kein fixes Projekt habe, in welchem ich mitarbeite. Ich hatte jedoch bereits die Möglichkeit einige Projekte, welche hier bearbeitet werden, kennenzulernen. Besonders spannend gestaltete sich der Mittwoch, da wir bereits am Dienst von der Regierung darüber informiert wurden, dass ein Taifun an Shanghai vorbeiziehen würde und wir stellten uns daher auf starken Regen und Windböen ein. Und tatsächlich als ich Mittwoch früh aus meinem Hotel gehen wollte, wehte mir bereits eine mit Regen getränkte Sturmböe entgegen. Während der Arbeit wurde der Regen immer stärker und die Stadtregierung gab roten Sturmalarm für die Stadt aus, da vor einiger Zeit in Peking bei einem ähnlichen Vorfall viel passiert war, und das Land daher zur Zeit besonders vorsichtig agiert. Wir durften zwei Stunden früher nach Hause gehen, da die Gefahr umstürzender Bäume und von Unfällen in der Firma vorhanden war. Ich versuchte gemeinsam mit einem Arbeitskollegen ein Taxi zu bestellen, doch leider waren die Telefonleitungen aufgrund des Regens überlastet; Jeder wollte zu dem Zeitpunkt ein Taxi haben. Wir entschieden uns, trotz des starken Regens, uns zur Straße durchzuschlagen um dort auf ein vorbeifahrendes Taxi zu warten. Als wir in dem Torwärterhaus Unterschlupf gefunden hatten, wurde ich von der Sekretärin meines Chefs angerufen und sie meinte, dass er mich nach Hause bringen würde, da ich sonst keine Chance hätte nach Hause zu kommen, und genau so geschah es auch. Glücklicherweise passierte davon abgesehen während des gesamten Sturms nicht besonders viel. Lediglich das Laub der Bäume war teilweise auf den Boden geworfen worden und die diversen Topfpflanzen im Garten meines Hotels lagen zu Boden geworfen da. Auch die chinesische Architektur erwies sich leider nicht als optimal geeignet um solch einer Witterung standzuhalten, da im inneren meines Hotels überall Handtücher die Fenster abdichteten, und im Fitnessraum fand sich ein Gutteil des Deckenverputzes plötzlich, zu Boden geworfen, durchnässt wieder.
Anbei findet ihr, wie es ja eigentlich schon eine Tradition hier wird, ein paar Bilder, die hoffentlich das Erlebte gut dokumentieren:
Die Fahnen wehen im Sturmwind
Die Grundsteinlegungsgedenktafel
Haupteingang des Gebäudes
Auswirkungen des Taifuns



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