Die erste Woche meiner Arbeitstätigkeit in Shanghai ist nun vorbei,
und es ist Zeit eine kurze Bilanz darüber zu ziehen:
Ich bin am Montag erstmals in das STC (Shanghai Technical
Center) der AVL Graz gefahren, was sich schwierig gestaltete, da ich, wie
bereits am Anfang dieses Blogs erwähnt, lediglich die Adresse meiner
Arbeitsstelle kannte, aber sonst über keinerlei Informationen verfügte. Ich
bemühte mich daher auf Google eine Route herauszufinden und nahm schlussendlich
ein Taxi. Bereits im Herannahen sah ich die österreichische Fahne über dem
Fabrikkomplex wehen und es gab mir ein gewisses Gefühl von Heimatsverbundenheit
in der Ferne. Etwas erheiterte mich jedoch die Inschrift, welche in eine
Metallplatte graviert vor dem Eingang zu lesen stand: „Grundsteinlegung in
Anwesenheit seiner Exzellenz des Bundespräsidenten von Österreich“. Ich hatte
bis dahin nicht gewusst, dass dies der offizielle Titel unseres
Staatsoberhaupts ist, doch ich werde es mir merken, falls ich ihm jemals über
den Weg laufen sollte.:D
Am ersten Tag war ich, wie in Graz üblich, um 8:00 zu
Arbeitsbeginn in der Firma, musste jedoch bald entdecken, dass in China bei AVL
erst ab 9:00 gearbeitet wird, um mehr Überschneidung mit den Arbeitszeiten der
Zentrale in Graz zu erreichen. Doch nach einer Stunde Wartezeit wurde ich
schlussendlich von Dr. Klaus Denkmayr, dem Generaldirektor begrüßt und er
führte mich an meinen Arbeitsplatz in der Entwicklungsabteilung.
Ich habe eine Kantine in der Firma, worüber ich mich sehr
freue, insbesondere seitdem ich herausgefunden habe, dass im Umkreis von 2km
nichts Nahrhaftes zu finden ist. Trotz des sehr niedrigen Preises von
umgerechnet 65 Cent ist das Kantinenessen jedes Mal ein ausgiebiges und
durchaus schmackhaftes original chinesisches Menü. Ich habe so außerdem die
Möglichkeit die heimische Küche kennen zu lernen, ohne in ein Restaurant gehen
zu müssen, etwas zu bestellen und nicht zu wissen was ich bekomme (ich nenne
diese Vorgehensweise auch Chinese Roulette^^).
Generell gefällt mir die Arbeit sehr gut, jedoch habe ich
mich in der ersten Woche noch ein wenig zurechtfinden müssen, weshalb ich noch
kein fixes Projekt habe, in welchem ich mitarbeite. Ich hatte jedoch bereits
die Möglichkeit einige Projekte, welche hier bearbeitet werden, kennenzulernen.
Besonders spannend gestaltete sich der Mittwoch, da wir bereits am Dienst von
der Regierung darüber informiert wurden, dass ein Taifun an Shanghai
vorbeiziehen würde und wir stellten uns daher auf starken Regen und Windböen
ein. Und tatsächlich als ich Mittwoch früh aus meinem Hotel gehen wollte, wehte
mir bereits eine mit Regen getränkte Sturmböe entgegen. Während der Arbeit
wurde der Regen immer stärker und die Stadtregierung gab roten Sturmalarm für
die Stadt aus, da vor einiger Zeit in Peking bei einem ähnlichen Vorfall viel
passiert war, und das Land daher zur Zeit besonders vorsichtig agiert. Wir durften
zwei Stunden früher nach Hause gehen, da die Gefahr umstürzender Bäume und von
Unfällen in der Firma vorhanden war. Ich versuchte gemeinsam mit einem
Arbeitskollegen ein Taxi zu bestellen, doch leider waren die Telefonleitungen
aufgrund des Regens überlastet; Jeder wollte zu dem Zeitpunkt ein Taxi haben.
Wir entschieden uns, trotz des starken Regens, uns zur Straße durchzuschlagen
um dort auf ein vorbeifahrendes Taxi zu warten. Als wir in dem Torwärterhaus
Unterschlupf gefunden hatten, wurde ich von der Sekretärin meines Chefs
angerufen und sie meinte, dass er mich nach Hause bringen würde, da ich sonst
keine Chance hätte nach Hause zu kommen, und genau so geschah es auch.
Glücklicherweise passierte davon abgesehen während des gesamten Sturms nicht
besonders viel. Lediglich das Laub der Bäume war teilweise auf den Boden
geworfen worden und die diversen Topfpflanzen im Garten meines Hotels lagen zu
Boden geworfen da. Auch die chinesische Architektur erwies sich leider nicht
als optimal geeignet um solch einer Witterung standzuhalten, da im inneren
meines Hotels überall Handtücher die Fenster abdichteten, und im Fitnessraum
fand sich ein Gutteil des Deckenverputzes plötzlich, zu Boden geworfen,
durchnässt wieder.
Anbei findet ihr, wie es ja eigentlich schon eine Tradition
hier wird, ein paar Bilder, die hoffentlich das Erlebte gut dokumentieren:
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| Die Fahnen wehen im Sturmwind |
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| Die Grundsteinlegungsgedenktafel |
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| Haupteingang des Gebäudes |
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| Auswirkungen des Taifuns |




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